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(Groß Oesingen) „Mit den Umlandgemeinden sind in Groß Oesingen etwa 2000 Haushalte potenzielle Kunden“, sagt Bäckermeister Ernst Cordes. Bereits in vierter Generation (seit 1908) arbeitet der bodenständige Geschäftsmann heute im Kreis Gifhorn. Eine stabile Firmengröße und Topfrische am Markt sind für Cordes und Team die Eckpfeiler in einem immer mehr durch Preiskampf und „Bäckersterben“ geprägten Geschäft.
Der 43 jährige Cordes ist kein Jammertyp und zupackend in der täglichen Arbeit für die Kunden. Die sind nach seiner Aussage heute mehr denn je „wie ein rohes Ei“ zu behandeln. Der Kunde ist Gast und müsse täglich aufs Neue umworben werden.
Der stellvertretende Innungsmeister für den Gifhorner Kreis kann insgesamt zufrieden sein. „Die Geschäfte laufen, der Umsatz ist seit Jahren stabil.“ Trotz schwieriger wirtschaftlicher Bedingungen. Und trotz Inflation von Supermärkten und Discounterketten.
Im Dorf selber ist Cordes quasi der Supermarkt. Das vor wenigen Jahren erweiterte Hauptgeschäft bietet neben klassischen Brot- und Backwaren plus Stehcafé mit kleinen Snack-Angeboten auch ein gut bestücktes Sortiment an Lebensmitteln & Co. Hinzu kommen Zeitungen, Zeitschriften und die Toto/Lotto-Annahmestelle. Rechtzeitig seine Posten abstecken und da sein, bevor andere auf die Idee kommen, ist ein Prinzip von Cordes. In die flexible Geschäftsidee passen Wiederverkäufer wie eine Tankstelle ebenso wie eine kleine Filiale (geöffnet von 6 bis 12 Uhr). An mögliche Einbußen, sollte sich eines Tages ein Supermarkt in sein Dorf verirren, mag Cordes nicht
denken.
Die vielen Stammkunden schätzen trotz „Geiz-ist-geil“-Mentalität neben der Qualität der Waren auch die Zuverlässigkeit und die Vielfalt des Familienbetriebes. Dafür zahlen Sie dann auch den Preis von 26 Cent pro Brötchen gegenüber Schleuderpreisen der in Polen oder anderen Billiglohnländern vorgebackenen Semmeln, meint Cordes. Eltern, Bruder, Schwester und Ehefrau Birgit sind wichtige Mitarbeiter im Betrieb, 25 insgesamt an der Zahl. Immer am Sonntagvormittag sind sie im kleinen Team für die Versorgung mit frischen Brötchen aktiv. Per mobilen Verkaufstresen finden sie ihre Abnehmer.
Wichtiges weiteres Standbein in der ländlichen Region um Gifhorn, Celle und Braunschweig sind laut Cordes nämlich die Verkäufe mit zwei professionellen Verkaufsfahrzeugen – als eine Art Außenwerbung für das Geschäft. Immerhin ein Eurobetrag im hohen vierstelligen Bereich sei an Umsatz pro Fahrzeug und Monat immer drin. Da per Mietkauf geordert, könne er nach 5 Jahren entscheiden, zu kaufen oder einen neuen Mietkaufvertrag zu unterzeichnen oder einfach die Fahrzeuge weiter zu fahren.
Wer im Laden verkauft, ist nicht automatisch für den Tresen auf Rädern geeignet und umgekehrt, ist Cordes’ Erfahrung. Er muss es wissen: Auf Tour ist seine „kleine Schwester“ Cornelia Goltermann. Die hält mit den oft älteren Kunden einen Klönschnack, Die warten wiederum sehnsüchtig und freuen sich auf die persönliche Ansprache. Bis es soweit ist, müsse man Geduld aufbringen, erklärt Cordes. Sie hätten schon manche Tour nach dreimaligem Ansteuern aufgeben wollen – und beim vierten Mal sei plötzlich die Resonanz bei den Kunden da gewesen.
Alles was im Laden an Brot- und Kleingebäck verkauft wird, ist auch in kleinerem Umfang am Fahrzeug zu bekommen. Zum Sortiment zählen auch Handelsware wie Milch, Kaffee, Weißware etc. Und wenn der Kasten Bier oder Hundefutter gewünscht wird, dann sei das auch mal drin, lacht Schwester Cornelia. Cordes: Mit dem Hersteller Borco-Höhns und Hans-Jürgen Beyer, Verkaufsberater und vielen Bäckern auch durch Seminare und Verkaufsschulungen ein Begriff, verbinde ihn eine besondere Beziehung. Schon Vater Ernst setzte auf Qualität und Ausstattung der Rotenburger Hersteller – die beiden Fiat-Selbstfahrer, Baujahr 2001, seien bereits die 3.Generation mobiler Geschäftstätigkeit und damit unumstößlich mit der Firma verbunden.
Damit demonstriere man Service am Kunden, erklärt Cordes. Indem die Ware direkt vor die Haustür gefahren werde, gehe man auf den Kunden zu und erntete damit ein positives Image. Gefahren werde von Dienstag bis Samstag in zwei parallelen Touren, im 25 Kilometer-Umkreis vom Stammgeschäft. Weitere Standorte des Verkaufsfahrzeuges: Der Wochenmarkt in Lachendorf sowie ein örtlicher Parkplatz vorm Supermarkt.
Spätestens mit der Umstellung auf den Euro seien die Zeiten im Verkauf härter geworden, so Cordes. Da müsse man mit Ideen und Schnelligkeit dagegen halten. Angesichts der vielen Angebote vorgebackener Waren in den Märkten sei er froh, dass er sich nicht frühzeitig in der unprofitablen Vorkassenzone engagiert habe. Nicht nur das Heidebrot ist ein Klassiker der Traditionsbäcker, auch das selbst gemachte körnige Knäckebrot ist hitverdächtig. Etwa 3 Tonnen Mehl gehen so in der Woche in die Produktion. Die Devise Cordes: „Der Weg von der fertigen Ware zum Kunde soll möglichst kurz sein. So kommt das Brot noch warm beim Kunden an!“
Der ältere Sohn ist jetzt 12 Jahre (von insgesamt 2 Töchtern und 2 Söhnen), und könnte in die Fußstapfen seine Vaters treten. Ob er ihm das angesichts der Branchenmisere empfehlen soll, weiß Cordes nicht so recht. Allein im Kreis Gifhorn hätten sich von ehemals 30 Bäckern in den vergangenen 15 Jahren 15 vom Markt verabschiedet, sprich Insolvenz angemeldet. Die Kehrseite der Selbständigkeit sei zudem die Auslastung an 7 Tagen die Woche und bis zu 15 Stunden am Tag. Doch schön wäre es schon, nickt Cordes. Und ein längerer Urlaub im Jahr sei allemal drin – da helfe immer einer aus der Familie aus. Er habe sich seine Freiräume erarbeitet und den Betrieb
auf solide Füße – stationär wie mobil – gestellt.
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