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Sabine und Georg-Wilhelm Raßner fahren jede Woche über 160 km weit, um auf Wochenmärkten ihre Fleisch- und Wurstwaren zu vermarkten. Dank eines separaten Hackfleischabteils können Raßners Gehacktes auf dem Wochenmarkt anbieten.

An vier Tagen in der Woche sind Georg-Wilhelm und Sabine Raßner mit ihrem Verkaufswagen auf Tour. Dann muss der landwirtschaftliche Betrieb im hessischen Frielendorf (Schwalm-Eder-Kreis) ohne Chef und Chefin auskommen. Das Landwirtspaar verkauft von Mittwoch bis Samstag Fleisch und Wurstwaren sowie Geflügelspezialitäten aus heimischer Erzeugung auf Wochenmärkten in Wiesbaden, Eschwege und Hochheim.
Das mobile Verkaufen ist seit gut 20 Jahren ein wichtiges Standbein des landwirtschaftlichen Betriebes. „Als junger Mann stand ich vor der Überlegung, den elterlichen 25-ha-Betrieb deutlich zu erweitern und in weitere Mastplätze zu investieren." Die hohe Investitionssumme im sechsstelligen Bereich hielt den Landwirt allerdings davon ab. Statt dessen stieg die Familie in die Direktvermarktung ein. Für Familie Raßner war schnell klar, dass der Markt direkt vor der Haustür nicht genug einbringen würde. In der Region buhlen zahlreiche Verkaufsstände und Überlandfahrer mit Fleisch- und Wurstprodukten um Kunden. „Dann lieber in die Großstadt und die lange Anfahrt von 160 km einkalkulieren", waren sich die Eheleute schnell einig..
Ein befreundeter Landwirt in Bieberich bei Wiesbaden bot Beratung und Übernachtung an - die Sache war somit perfekt. „Wir haben diese Entscheidung nicht bereut. Ganz im Gegenteil - heute zählen wir in aller Bescheidenheit zu den alteingesessenen mobilen Einzelhändlern in Wiesbaden", erzählt Sabine Raßner

Sabine und Georg-Wilhelm Raßner fahren jede Woche aus dem hessischen Frielendorf ins rund 160 km entfernte Bieberich bei Wiesbaden. Ihr Ziel - der dortige Wochenmarkt.
Hessische Spezialitäten
ie Direktvermarkter bieten nordhessische Wurstspezialitäten an: Blut- und Leberwurst, Schwartenmagen, Presskopf, verschiedene Schinkensorten, Frischwurst und verschiedene Salate. Ein Dauerrenner im Sortiment ist die „Ahle Wurst". Raßners stellen diese landestypische Spezialität in drei Varianten - von frisch bis ganz fest, also länger gereift - nach dem traditionellen Verfahren her. Dazu werden nur schwere Schweine schlachtfrisch verarbeitet und auch die hochwertigen Fleischteile verwurstet. Die langsame Reifung bei relativ hoher Luftfeuchtigkeit ist das besondere Kennzeichen der Wurst. Die Ahle Wurst kann geräuchert oder luftgetrocknet hergestellt werden.
Slow Food, eine Initiative, die sich für traditionelle handwerklich hochwertige Lebensmittel einsetzt, hat die Ahle Wurst im Juni 2004 in ihre „Arche des Geschmacks" aufgenommen, um die traditionelle Herstellungsweise zu fördern und als Kulturgut zu sichern. Der Förderverein Nordhessische Ahle Wurscht e. V. entstand aus dieser Initiative heraus. Dass sich der Hof Raßner der Produktion dieser Spezialität verschrieben hat, spiegelt die Philosophie der Direktvermarkter wider. „Wir wollen uns bewusst von der industriellen Vermarktung absetzen", betont Georg-Wilhelm Raßner.

Am Verkaufswagen von Familie Raßner herrscht stets Andrang. Die hessischen Spezialitäten kommen gut an.
Wochenmarkt pur
Die Fleisch- und Wurstspezialitäten vom Hof Raßner gibt es nur auf dem Wochenmarkt zu kaufen. Eine perfekte Warenpräsentation für den mobilen Verkauf ist ihnen wichtig. Deshalb haben die Direktvermarkter in einen selbst fahrenden Verkaufswagen mit allen Finessen investiert. Die Theke geht über Eck und ist rund 7 m lang. Das schafft Platz für ein breites Angebot. Dank eines separaten Hackfleischabteils können Raßners auch Gehacktes auf dem Wochenmarkt anbieten. |
Ein echter Familienbetrieb
Vier Tage die Woche nicht im Betrieb, das will organisiert sein. Um die Tiere kümmern sich in dieser Zeit die beiden Töchter des Ehepaares sowie der Vater von Sabine Raßner, der allerdings nicht auf dem Hof wohnt, und die Seniorchefin, die trotz ihrer 81 Jahre noch sehr rüstig ist und auch schon mal mit dem Traktor fährt. Die weiteren landwirtschaftlichen Arbeiten übernimmt Georg-Wilhelm Raßner.
In der hofeigenen Metzgerei arbeiten zwei Fleischergesellen in der Produktion mit und eine Hauswirtschafterin ist ebenfalls auf dem Betrieb beschäftigt. Das Ehepaar Raßner ist nach dem „Wochenmarktausflug" trotzdem sofort wieder in ihrer Landwirtschaft im Einsatz. „Wir arbeiten quasi rund um die Uhr, und das mit Spaß. Anders wäre es gar nicht zu bewerkstelligen", so die Aussage der Direktvermarkter.
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Der Hof Raßner Lage des Betriebs:
Frielendorf, Schwalm-Eder-Kreis, Hessen

Betriebsleiterfamilie:
Sabine (43) und Georg-Wilhelm (51, Landwirt) Raßner, zwei Töchter Marina (19) und Kathrin (16), Mutter des Betriebsleiters Anna Raßner (81)

Betrieb:
25 ha landwirtschaftliche Nutzfläche, angebaut werden Getreide, Raps und Zuckerrüben Tierbestand: 200 Mastschweine, 300 Hähnchen, 150 Puten; Tiere werden mit betriebseigenem Futter gefüttert

Vermarktung:
Schweine und Geflügel werden selbst geschlachtet und verarbeitet; vermarktet werden die Produkte nur über den Verkaufswagen und nur auf Wochenmärkten und speziellen Festen, z. B. dem Wurstfest in Eschwege; angefahren werden drei Wochenmärkte in Bieberich bei Wiesbaden, Eschwege und Hochheim, Markttage sind mittwochs, freitags und samstags. |
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